ALICE IM WUNDERLAND
Alice im Wunderland ist ein wunderbares und vor allem sehr wundersames Kinderbuch, das erstmals 1865 erscheint, geschrieben von dem britischen Schriftsteller Lewis Carroll. Es zählt zu den Klassikern der Weltliteratur, und es gibt zahlreiche Übersetzungen und Illustrationen zu dieser wundervollen Erzählung. Darüber hinaus wandeln zahlreiche Interpretationen und Umgestaltungen, Theateraufführungen, Hörspiele sowie Verfilmungen die Grundgeschichte ab.
Auch mir fällt es schwer, eine objektive Zusammenfassung der Abenteuergeschichte wiederzugeben. Anzumerken ist, dass meine Interpretationen und Vergleiche innerhalb des Buches eine sehr subjektive Herangehensweise an die Geschichte darstellen. Oft wird die Erzählung als Gegenentwurf zur viktorianischen Gesellschaft mit ihren rigiden Konventionen gesehen. Ihre Gesellschaftskritik versteckt sich in fantasievollen und absurden Situationen. Doch ist das nicht genau jene bezaubernde Magie, die von Büchern und Geschichten ausgeht? Dass je nach Leser*in andere Abenteuer durchlebt werden?
Dass je nach Leser*in andere Rückschlüsse gezogen werden? Dass scheinbar jedes Buch in einer anderen Hand eine andere Bedeutung gewinnt?
Für mich enthielt die Geschichte eine Schatztruhe an Charakteren, Metaphern und Bildern, die ich beim Coaching gebrauchen kann. Für mich hatte diese Geschichte eine ganz besondere Bedeutung.
Ich werde hier ansatzweise versuchen, eine möglichst objektive Zusammenfassung zu geben, doch lege ich es jedem nahe, sich selbst einmal in dieser magischen und verrückten Geschichte zu verlieren.
Der Versuch einer Zusammenfassung
Die Geschichte beginnt an einem heißen Sommertag. Alice sitzt gelangweilt auf einer Wiese, als plötzlich ein weißes Kaninchen mit Weste und Taschenuhr an ihr vorbeirennt („O Gott, o Gott! Ich komme zu spät!“). Neugierig folgt sie ihm. Sie ist fest davon überzeugt, dass sie hier etwas Besonderes erwartet. Sie kriecht in den Kaninchenbau – und stürzt kurz darauf durch ein tiefes Loch.
Während des Falls nimmt sie alles bewusst wahr und scheint eine Ewigkeit zu schweben. Sie stellt sich vor, dass sie durch die komplette Erdkugel fällt und dass sie nach diesem Sturz sogar einen Sturz vom Dach überleben könnte. Sie landet schließlich in einer fremdartigen Welt, in der alles auf den Kopf gestellt zu sein scheint. Auf dem Boden des Kaninchenbaus erblickt sie viele verschlossene Türen – und findet, nachdem sie sich umgesehen hat, nur einen einzigen Schlüssel. Nach langem Probieren passt dieser in eine vom Vorhang verhüllte Tür mit Blick auf einen wunderschönen Garten.
Obwohl der Schlüssel passt, gibt es nun ein ganz anderes Problem: Alice selbst passt nicht durch die Tür. Sie glaubt jedoch, dass es möglich sein muss – schließlich sind ihr an diesem Tag bereits gar wundersame Dinge passiert. So probiert sie die auf dem Tisch stehende Flasche mit der Aufschrift „Trink mich“. Zunächst ist sie skeptisch, doch als sie merkt, dass die Flüssigkeit darin unglaublich himmlisch schmeckt, gewinnt sie Vertrauen. Sie schrumpft – jedoch hat sie den Schlüssel auf dem Tisch liegen lassen, der nun unerreichbar hoch ist. Was für ein Dilemma! Sie findet einen kleinen Kuchen, auf dem „Iss mich“ steht. Das führt wiederum dazu, dass sie wächst – und nun wieder zu groß für die Tür ist, durch die sie unbedingt gehen will.
Daraufhin weint sie fürchterlich und fragt sich, wer sie wohl ist – und ob sie vielleicht sogar vertauscht wurde. Seltsame sprechende Tiere treten auf, die sich alle nicht gerade von ihrer freundlichsten Seite zeigen. Alice schrumpft wieder und erreicht schließlich, über einen Tümpel aus Tränen, ihr Ziel: das Wunderland.
Sie musste also wirklich einiges ausprobieren, um in den wunderschönen Garten zu gelangen.
Ab diesem Zeitpunkt erlebt sie verschiedene Abenteuer und trifft auf die ungewöhnlichsten Gestalten. Im Wunderland begegnet sie einer grummeligen Raupe, die auf einem Pilz sitzt, raucht und sie fragt: „Wer bist du?“ Alice weiß darauf keine Antwort mehr – sie hat sich in dieser seltsamen Welt selbst verloren. Woher soll sie denn bitte wissen, wer sie ist?
All diese merkwürdigen Ereignisse! Sie will nicht mehr andauernd groß und klein sein. Durch Stücke des Pilzes, auf dem die Raupe sitzt, gelingt es ihr, eine passende Größe zu erreichen – und sie behält die Pilzstücke, um ihre Größe später erneut anpassen zu können.
Die Tiere in ihrem Wunderland sind meist nicht besonders freundlich zu ihr, und sie erlebt gar absurde Gespräche und Situationen. Die Reise führt Alice auch zur Herzogin – einer seltsamen Frau mit einem schreienden Baby, das sich plötzlich in ein Schwein verwandelt. Alles scheint möglich im Wunderland – nur nichts ist logisch.
Später trifft Alice auf die Grinsekatze – ein mysteriöses und philosophisches Wesen, das ihr rätselhafte Hinweise gibt und immer wieder auf wundersame Weise verschwindet, zuletzt nur noch als schwebendes Lächeln. Sie ist verwirrend, aber irgendwie freundlich. Weiterhelfen kann sie Alice jedoch kaum – denn Alice weiß selbst nicht genau, wohin sie überhaupt möchte. Die Katze meint, Alice sei verrückt – aber das seien hier schließlich alle. Schließlich entscheidet Alice, den Märzhasen zu besuchen, da sie hofft, dass dieser im Mai nicht allzu verrückt ist.
Dann gerät Alice an die verrückteste Tee-Gesellschaft, die man sich vorstellen kann: Ein Hutmacher, ein Märzhase und ein Siebenschläfer feiern eine endlose Teeparty, bei der ständig Plätze gewechselt werden und Zeit keine Rolle mehr spielt. Ständig muss Alice erklären, was sie denkt – sogar über die Zeit selbst werden Diskussionen geführt. Und dann hält der Hutmacher Alice auch noch für verrückt! Sie beschließt zu gehen.
Am Ende landet Alice im Garten der Herzkönigin, wo Spielkarten lebendig sind, Flamingos als Golfschläger dienen und ständig jemand geköpft werden soll. Die Königin herrscht mit Schrecken („Ab mit dem Kopf!“) – aber niemand nimmt sie so richtig ernst.
In einer absurden Gerichtsverhandlung wird schließlich Alice selbst vorgeladen. Doch bevor das Urteil gesprochen wird, wächst sie plötzlich wieder – und erkennt, dass das alles nur ein Traum ist.
Alice wacht auf und ist wieder bei ihrer Schwester. Sie träumt sich in das Wunderland zurück – und dann wieder zu ihrer Schwester. Am Ende ist Alice nicht sicher, was nun der Traum ist.
