DEINE IDENTITÄT
DEINE IDENTITÄT IST KEINE CHECKLISTE.
Manchmal fragen wir uns, wer wir eigentlich sind ✨
"Wer bin ich eigentlich?" ist eine dieser Fragen, die wir uns selten stellen, wenn alles glatt läuft. Sie kommt meistens erst dann, wenn sich etwas verschiebt – ein Jobwechsel, eine Trennung, ein Meilenstein, der erreicht ist und sich trotzdem leer anfühlt. Manchmal auch, wenn wir etwas Großartiges erreicht haben und sich langsam ein "Und jetzt?" in uns ausbreitet.
Und genau dann lohnt sich der genaue Blick: Wer bin ich eigentlich – unter all den Rollen, Erwartungen und Erfolgen?
Was Identität wirklich ausmacht:
Identität ist mehr als "wie ich mich fühle". Man unterscheidet zwei Ebenen:
- deine personale Identität – dein Selbstbild mit all deinen Erfahrungen, Werten und Vorlieben
- deine soziale Identität – deine Zugehörigkeit zu Familie, Beruf, Rollen
Beides zusammen ergibt, wer du bist. Nicht nur, was du fühlst – auch, wozu du gehörst und wie andere dich einordnen. Gerade weiblich sozialisierten Personen wird im Laufe des Lebens jedoch häufig erzählt, wie sie zu sein haben. Erwartungen werden gestellt und großer Druck entsteht. Nicht selten führt das dazu, dass Frau dann vielen äußeren Erwartungen entspricht, aber innerlich sich eine gewisse Leere breit macht.
Wie formt sie sich?
Nach James Marcia entlang zweier Achsen: Commitment (Umfang der Bindung/Festlegung in einem Lebensbereich) und Exploration (Ausmaß an Erkundung zur Orientierung). Wir müssen erkunden, um unsere komplette identität zu erforschen und zu verstehen.
Daraus ergeben sich vier Zustände:
- diffuse Identität (keine klare Richtung),
- übernommene Identität/Foreclosure (von außen übernommen, ohne eigene Prüfung),
- Moratorium (aktive, unruhige Auseinandersetzung) und
- erarbeitete Identität (nach Exploration bewusst gewählt).
Erwachsene rutschen durch Jobverlust, Neuausrichtung oder Beziehungskrisen in Identitätskrisen. Besonders, wenn ein Großteil unsere Identität übernommen ist, fällt es uns manchmal schwer, an dem festzuhalten wer wir wirklich sind.
Nach McAdams ist Identität auch eine Lebenserzählung, die wir uns selbst erzählen, um Vergangenheit und Zukunft sinnvoll zu verbinden. Es geht somit auch um unsere eigene Geschichte. ✨
Warum lohnt sich der genaue Blick gerade in Lebensumbrüchen?
Weil genau dann der "Moratorium"-Zustand einsetzt – eine Phase, in der Kindheitsbindungen nicht mehr automatisch gelten und eigene Entwicklung nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Diese Phase ist unbequem, aber notwendig: Ohne sie bleibt man in der "übernommenen Identität" hängen – Menschen, die Kindheitsbindungen beibehalten und eigene Entwicklung ausschließen. Ein Umbruch zwingt zur Exploration, die sonst vermieden würde. Und auch, wenn es sich nicht immer so anfühlt: es ist ein Geschenk und eine Möglichkeit zur eigene und wahren identität zu finden.
Was hat Identität mit dem wahren Selbst zu tun?
Psychologisch gesehen gibt es nach Donald Winnicott ein wahres und falsches Selbst: Das wahre Selbst beschreibt ein Selbstgefühl, das auf spontanen, authentischen Erfahrungen beruht und dem Gefühl, wirklich lebendig zu sein. Das falsche Selbst dagegen entsteht als Schutzmechanismus – es ist nicht per se krankhaft, sondern ermöglicht gesunden Menschen normangepasstes Verhalten, kann aber, wenn es dominiert, genau das Gefühl von Leere erzeugen, das ich so oft in meinem Coaching bei Klientinnen wahrnehme. Es ist vermehr auf die Erwartungen und Anforderungen von Außen ausgelegt. Um reinzupassen, um zu funktionieren. Und hier schließt sich der Kreis zur übernommen Identität.
Und es geht um die eigenen und auch um die übernommen Werte, es geht um die eigene Lebensgeschichte und schließlich auch darum, zu sich selbst zu finden.
Es ist wichtig, dass wir selbst wissen, wer wir wirklich sind. Welche Erwartungen wir erfüllen wollen und welche Werte wir leben wollen. Im "falschen Selbst" zu verharren, kann im Leben sehr schmerzhaft sein.
Ich habe hierzu einen wundervollen Workshop kreiiert, in den du reinschnuppern kannst:
